Mit Freude und Lust

Sie werden es bemerkt haben, man kann in der Tat "genussvoll" älter werden. Man muss nur wissen und akzeptieren, dass Höhen und Tiefen mit zu unserem Leben gehören, um es interessant und lebenswert zu machen. Aber wenn ich jetzt so zurückdenke, dann war das in jungen Jahren im Grunde ähnlich.

Man wächst nur durch Verstehen einzelner Lebensumstände in sein Leben hinein und kann es dann auch meistern. Was nicht immer einfach war oder immer noch nicht ist.

Es ist schon richtig: Zu keiner Zeit waren Frauen um die 50 so attraktiv und aktiv wie heute. Im Grunde sollten wir keine trüben Gedanken haben, weil wir älter geworden sind. Und trotzdem – da gibt es immer wieder kleine schmerzhafte Stiche und manchmal auch eine große Traurigkeit, wenn uns bewusst wird, dass die jungen und stürmischen Jahre unwiederbringlich vorbei sind.

Eine Frage: Was empfinden Sie, wenn Sie Rentnerin, Pensionärin, Seniorin oder Best-Ager genannt werden? Fühlen Sie sich dann alt, oder ist Ihnen das total  egal? Ich weiß, das klingt jetzt vielleicht etwas albern, aber ich kann mit diesen Ausdrücken nicht wirklich gut umgehen – vor allem dann nicht, wenn ich sie schwarz auf weiß vor mir liegen habe. Ich meine damit zum Beispiel die Aufforderung der Bundesversicherungsanstalt, endlich meine Unterlagen zusammenzusuchen, damit ich meine Rente bekomme. Das ist so eine Sache: Ich fühle mich gut und stark, und dann soll ich meine Unterlagen zusammensuchen, damit ich meine Rente bekomme! Ich war ziemlich frustriert, habe es dann aber natürlich gemacht.
Gefreut habe ich mich dann letztlich doch: Ich bekomme Geld. Einfach so. Aber ich habe ja auch jahrelang dafür eingezahlt! Doch trotzdem hat die ganze Sache einen seltsamen Beigeschmack. Ich habe gemerkt, dass ich tatsächlich älter geworden bin. Aber, um es gleich zu sagen, ich habe das dann doch gut überstanden. Es hat ja auch nicht weh getan.

Die Schauspielerin Marie-Luise Marjan (Jahrgang 1940), die Mutter Beimer in der Lindenstraße, hat mir zum Thema Älterwerden Folgendes gesagt:

"Dass ich älter geworden bin, habe ich daran gemerkt, dass man mir, als ich mir meine Bahncard abgeholt habe, 50% Ermäßigung angeboten hat, weil diese mir nun als Rentnerin zustehen würden." Sie geht überhaupt mit dem Älterwerden fabelhaft um und meint dazu nur: "Älterwerden, was ist denn das? Ich habe meinen Lebensrhythmus gefunden, und nach dem richte ich mich und mache meistens das, was mir bekommt."

Die immerschöne Schauspielerin Hannelore Elsner (Jahrgang 1942), inzwischen Paradebeispiel für "schönes Altern", hat anlässlich einer Modepräsentation für den Quelle-Katalog ihren Unmut deutlich gemacht.

"Ich bin es leid, immer auf mein Alter angesprochen zu werden. Einen Mann in meinem Alter würde man das nie fragen." Angst vor dem Alter hat sie übrigens nicht: "Es wurde immer besser, je älter ich wurde."

Das alles kann ich nur bestätigen. Was mich manchmal auf die Palme bringt, ist, dass man, besonders von Männern, mit so zweifelhaften Komplimenten wie zum Beispiel: "Du siehst für dein Alter immer noch gut aus" überschüttet wird. Darüber sollten wir uns aber eigentlich überhaupt nicht aufregen, denn Männer wissen es eben nicht besser. Und wie bitte schön sollte man denn aussehen – in unserem Alter? Umgekehrt würden Frauen niemals zu einem Mann sagen: "Wie machst du das, dass du in deinem Alter immer noch gut aussiehst?"

Es kommt übrigens niemals darauf an, wie ein Mensch in den reiferen Jahren aussieht! Es kommt darauf an, welche Ausstrahlung er hat. Und nun bin ich jetzt bei dem schon sehr abgedroschenen Spruch: Wahre Schönheit kommt von innen! Aber ein Funken Wahrheit ist schon dran.

 

Erika Berger (2007): Lust statt Frust. Meine Wohlfühlformeln. Heidelberg: mvg Verlag. S. 193 – 195.

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