Im eigenen Freundeskreis – Singles auf der Jagd

Die meisten Singles sind auf Partnersuche. Und offensichtlich gibt es immer weniger Hemmungen, auch im eigenen Freundeskreis, jemandem den Partner einfach auszuspannen. Umfragen haben gezeigt, wie viele Menschen ihr Glück auch bei vergebenen Männern oder Frauen versuchen – oft mit Erfolg.

Eigentlich wird es sozial geächtet: Einem anderen Menschen den Partner ausspannen. Wer das tut, hat meist die Sympathien nicht auf seiner Seite. Lediglich wenn der Freundeskreis geschlossen die Meinung vertritt, das neue Paar passe viel besser zusammen als das alte, stößt das Ausspannen in der Regel nicht auf Kritik.

Wildern im Freundeskreis

Fast jede sechste Beziehung entsteht dadurch, dass einer der Partner vom anderen aus einer bestehenden festen Beziehung ausgespannt wird. Während einer Studie der Bradley University wurden knapp 17000 Menschen aus 53 unterschiedlichen Ländern zum Thema „jemandem den Partner ausspannen“ befragt. Heraus kam, dass überall auf der Welt ausgespannt wird. Die Vorgehensweise zeigt die gesamte Spannbreite von eher subtiler bis offensiver Flirtattacke. Jemandem den Partner ausspannen – das tun Frauen und Männer gleichermaßen. Die Forscher stellten fest, dass die Frage ob jemand ausspannt oder sich ausspannen lässt, von der Persönlichkeit des jeweiligen Menschen abhängt. Bestimmte Muster scheinen dafür zu sorgen, dass Beziehungs-Wilderer immer wieder versuchen, Menschen, die bereits in einer Partnerschaft sind, für sich zu gewinnen. Genauso neigen die „Opfer“ dazu, sich generell schnell von Dritten aus ihrer Beziehung herausreißen zu lassen. Dabei machen viele auch nicht davor halt, die eigenen Freunde oder Bekannten zu enttäuschen und zu versuchen, ihnen den Partner auszuspannen. Denn besonders häufig wird innerhalb des eigenen Freundeskreises ausgespannt.

Der internationale Vergleich brachte ans Licht, dass es im westeuropäischen Raum weiter verbreitet ist, sich in eine Beziehung zu drängen als etwa in Asien. 56 Prozent der westeuropäischen Männer haben während der Partnersuche bereits mindestens einmal versucht, einem anderen Mann die Frau auszuspannen. Bei den Frauen lag die Quote umgekehrt bei 46 Prozent. In Südostasien kamen die Männer dagegen nur auf 39 Prozent, die Frauen auf 17 Prozent. Der Anteil, derer die dabei erfolgreich waren, ist höher als man denkt: Bei über zwei Drittel derjenigen, die schon mal versucht haben auszuspannen, führte diese Bemühung auch zum Erfolg.

Besonders große Erfolgsquoten haben dabei diejenigen, die im eigenen Freundeskreis wildern. Hier ist es besonders einfach, sich dem Mann oder der Frau, die man für sich gewinnen möchte, zu nähern. Oft versuchen Ausspanner dann den Partner des anderen in der Gruppe schlecht zu machen. Meistens werden möglichst viele Mitglieder des Freundeskreises „angeworben“, um eine schlechte Meinung über den Partner des „Opfers“ zu verbreiten. Und da vielen Menschen die Meinung ihrer Freunde über den eigenen Partner sehr wichtig ist, hat diese Taktik meistens Erfolg.

Die Studie ergab, dass Frauen einen anderen Mann am besten aus seiner aktuellen Beziehung locken, indem sie sich möglichst attraktiv für den Mann machen und dessen Selbstwertgefühl schmeicheln. Männer dagegen haben gute Chancen, einem Mann die Frau auszuspannen, wenn sie ihr das Gefühl geben, sie würden sich mehr für sie engagieren als der aktuelle Partner. Dabei ist es immer von Vorteil, wenn sie Dominanz ausstrahlen und beruflich oder finanziell besser dastehen als der Konkurrent.
Besonders schlecht kommt in einer solchen Situation immer der Ausspanner weg. Denn sowohl Männer als Frauen sind nachher zu 70 Prozent in erster Linie auf die dritte Person sauer, statt auf den ehemaligen Partner. Gerade wenn innerhalb des eigenen Freundeskreises ausgespannt wurde, kann hinzu kommen, dass vielleicht auch die Freunde schlecht vom Ausspanner denken. Der hat dann vielleicht die ersehnte Partnerschaft gefunden, aber dafür seinen Freundeskreis verloren.

Lohnt sich die Jagd im Freundeskreis?

Auch wenn die Erfolgsrate der Ausspanner, gerade derer, die im Freundeskreis jagen, sehr positiv ist, bleibt die Frage, ob diese neuen Beziehungen solide genug sind, um langfristig Bestand zu haben. Die Forscher fanden dazu zunächst heraus, dass sowohl diejenigen, die ausspannen als auch diejenigen, die ausgespannt werden, in der Regel typische Charaktermerkmale haben, die sie für eine langfristige Beziehung eher disqualifizieren: Sie sind oft untreu, haben kein besonders ausgeprägtes Verantwortungsgefühl und sind sozial unverträglich. Sie selbst schätzen sich außerdem oft als neurotisch und wenig liebevoll ein.
Da die Bereitschaft zum Ausspannen oder ausgespannt werden tendenziell fest in einem Menschen angelegt ist, kommt hinzu, dass Dritte bei einer solchen Beziehung immer leichtes Spiel haben. Wer dazu neigt, sich ausspannen zu lassen, dessen Beziehung ist wohl generell gefährdet.
Diese Ergebnisse können den Verlassenen dann vielleicht auch als Trost dienen, denn langfristig gesehen ist es sicherlich nicht das Schlimmste, sich von einem solchen Partner getrennt zu haben. Auch wenn das nicht freiwillig geschah.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion

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