Ob Polizei oder Nachbar – Beleidigungen sind teuer

Wer im Streit seinen Nachbarn beschimpft und beleidigt, muss mit einer passenden Antwort rechnen. Wer aber eine Politesse, die gerade ein Knöllchen unter den Scheibenwischer klemmt, als "dusselige Kuh" betitelt, muss mit einer Anzeige wegen Beleidigung rechnen. Und das kann sehr teuer werden.

Viele Beleidigungen werden im Straßenverkehr ausgesprochen. Wer kennt das nicht? Nach ewigem Kreisen auf dem Parkplatz erspäht man endlich jemanden, der die Einkaufstüten in den Wagen packt und in sein Auto steigt. Man freut sich, wartet friedlich, bis derjenige ausgeparkt hat und – schwupps – kommt von der anderen Seite ein Bub mit Goldkettchen in Papas Porsche und prescht mit unverschämtem Grinsen in die Lücke. Für das „Arschloch“, das man ihm beim Wegfahren nach ruft, muss doch jeder Richter Verständnis haben…

Nicht nur die Polizei hat Ehre

Laut Gesetz ist eine Beleidigung ein „rechtswidriger Angriff auf die Ehre eines anderen durch vorsätzliche Kundgebung der Missachtung.“ Das kann durch Worte oder durch Gesten geschehen. Wer beleidigt wird, kann Strafanzeige stellen, muss das aber nicht tun. Die Polizei dagegen wird auf Beleidigungen immer mit einer Anzeige reagieren, wenn man sich nicht an Ort und Stelle entschuldigt. Je nachdem, in welcher Situation die Beleidigung ausgesprochen wird und wie phantasievoll der Schimpfer war, variiert das Strafmaß zwischen Geldstrafen und Freiheitsentzug. Für Beleidigungen, die sich Autofahrer im Straßenverkehr ohne Beteiligung der Polizei gegenseitig zurufen, werden üblicherweise Geldstrafen verhängt. Der jeweilige Tagessatz ergibt sich aus dem Nettoeinkommen geteilt durch 30. Im Regelfall liegt die Strafe für Beleidigungen zwischen 10 und 30 Tagessätzen, ist jedoch auf maximal 5000 Euro beschränkt. So kann ein „dumme Kuh“ leicht 300 Euro kosten, ein „blödes Schwein“ 500 Euro und die Frage „Bei dir piept’s wohl?“ kann je nach Situation glatt 750 Euro kosten. Gleiches gilt für die entsprechende Geste „einen Vogel zeigen“. Benutzt man nicht nur den Finger, sondern wedelt mit der ganzen Hand vor dem Gesicht hin und her, muss man sich auf eine Strafe bis zu 1000 Euro gefasst machen. Am teuersten wird der berühmte Mittelfinger. Bis zu 4000 Euro muss man – je nach Nettoeinkommen – für diesen Aussetzer berappen.
Im Straßenverkehr werden viele Dinge gesagt, die einem sonst niemals über die Lippen kommen würden. Wie in der eingangs beschriebenen Parkplatz-Szene rutscht den meisten Menschen im Straßenverkehr eher ein „Blödmann“ oder „Trottel“ heraus, als wenn man dem anderen direkt gegenüber stehen würde. Das liegt daran, dass das eigene Auto als eine Art Sicherheitsraum wahrgenommen wird. Blech und Sicherheitsglas suggerieren „hier kann mir keiner was“. Ein teurer Irrtum. Ganz besonders wenn man sich dazu hinreißen lässt, die Polizei zu beschimpfen.

Die Polizei zu beleidigen ist noch teurer

Das deutsche Strafgesetzbuch kennt einen eigenen Tatbestand „Beamtenbeleidigung“ nicht. Ob man die Polizei oder einfach einen anderen Autofahrer beleidigt, ist strafrechtlich gesehen das gleiche. Doch bei der Beleidigung eines Amtsträgers wird kein Richter ein Auge zudrücken. Wer die Polizei und ihre Organe beleidigt, trifft damit nicht nur den Menschen, sondern auch den Staat. Und das gilt sowohl für die Polizei als auch für Politessen. Wird der Staat beleidigt, hören Spaß und Verständnis der Gerichte auf, denn der Staat kann nur funktionieren, wenn seine Organe und seine Regeln von der Bevölkerung geachtet werden. Es ist also keine gute Idee, bei einer Geschwindigkeitskontrolle die Polizei als „Wegelagerer“ zu bezeichnen (450 Euro) oder die Beamten zu duzen (600 Euro). Auch die scheinbare Umschreibung „Am liebsten würde ich jetzt Arschloch zu dir sagen“ hilft nicht: 1600 Euro werden hier fällig. Noch teurer wird die Beleidigung weiblicher Polizisten und Politessen. Der Ausdruck „Schlampe“ kann 1900 Euro kosten und das „fiese Miststück“ führt mit 2500 Euro den Bußgeldkatalog für verbale Beleidigungen an. Zu recht, denn solche Ausdrücke sind absolut nicht angemessen und durch nichts zu rechtfertigen.

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion

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