So vermeiden Sie Missverständnisse in der Unterhaltung

Jeder kennt das Phänomen: Man sagt etwas und der andere reagiert völlig unerwartet. Offensichtlich ist etwas falsch angekommen und es dauert eine Weile, das Missverständnis aufzuklären. Woran liegt das? Warum redet man so oft aneinander vorbei, obwohl man eigentlich das gleiche meint?

"Richtiges Auffassen einer Sache und Missverstehen der gleichen Sache schließen einander nicht vollständig aus." (Franz Kafka)
Kommunikation ist eine schwierige Sache. Jeder von uns kommuniziert den ganzen Tag über: Man führt eine lockere Unterhaltung im Chat, ein tiefsinniges Gespräch mit der Freundin beim Kaffee oder spricht bei der Arbeit mit den Kollegen und dem Chef. Jede Unterhaltung birgt das Risiko, missverstanden zu werden und selbst Dinge falsch zu verstehen und schon ist ein Streit oder ein schwelender Ärger entstanden.

Eine Unterhaltung hat viele Facetten

Warum redet man so häufig aneinander vorbei? Sollten die gleichen Worte nicht immer das gleiche bedeuten? Dann denkt man „Ich habe es doch ganz deutlich gesagt!“ und trotzdem hat der andere es völlig anders verstanden. Bemerkt wird das Missverständnis meist erst dann, wenn es zu spät ist. Im Moment der Unterhaltung war man ja der Meinung, einander verstanden zu haben.
Eine Unterhaltung ist mehr als der Austausch von Worten. Sie setzt sich zusammen aus dem Ton, in dem die Worte gesagt werden, aus der Situation, in der sie gesagt werden, aus der Formulierung der Sätze, aus der Körpersprache, der Mimik und Gestik. Und all das trifft auf den Erfahrungshorizont des Gegenübers, auf dessen Grundlage dieser das Gesagte interpretiert. Kein Wunder, dass es bei einem solch komplexen Gebäude aus Sprache und Emotionen zu Missverständnissen kommen kann. Aber es gibt Möglichkeiten, die Klippen in einer Unterhaltung zu umschiffen.

Sagen, was man denkt

Eine der Hauptursachen für Missverständnisse in einer Unterhaltung liegt darin, dass der Gesprächspartner die Aussagen unweigerlich deutet. Ein einfaches Beispiel: Der Kollege sagt: “Das Fenster ist offen.“ Das klingt nach einer einfachen Feststellung. Er meint damit aber: „Es zieht. Mit ist kalt. Du sitzt näher am Fenster, also schließe es bitte.“ Zur Antwort bekommt er: „Ja, die frische Luft tut gut!“ Damit ist gemeint: „Ich lege Wert auf das offene Fenster. Falls Du willst, dass ich es schließe, musst Du mir das direkt sagen und ich werde nicht deiner Meinung sein.“ Bleibt das Fenster offen, ärgert man sich über die Missachtung der eigenen Wünsche, obwohl diese nie konkret ausgesprochen wurden. Jeder weiß aber instinktiv, dass man mit allem, was man sagt, eine Absicht verfolgt, bewusst oder unbewusst. Es gibt keine absichtslose Kommunikation. Auch wer schweigt, kommuniziert damit etwas. Linguisten stellen fest: Man kann nicht nicht kommunizieren. Jede Aussage transportiert ein Ziel, eine Angst, eine Hoffnung oder ein Bedürfnis. Sei es nun versteckt oder direkt. Es ist also entscheidend, deutlich und ohne versteckte Andeutungen zu sagen, was man meint.
Wenn man sich unklar oder mehrdeutig ausdrückt, wird der Gesprächspartner das Fehlende ergänzen. Und zwar auf Basis seiner persönlichen Erfahrungen und Ansichten. Er interpretiert die Aussage und verhält sich entsprechend. Um sicherzustellen, dass man etwas richtig verstanden hat, hilft nur, Fragen zu stellen. „Wie hast du das gemeint?“ oder „habe ich das richtig verstanden, du meinst also dass…?“

Der Ton macht die Musik

Ein anderer Grund für Missverständnisse ist der Ton während der Unterhaltung. Wie formuliert man etwas? Wie ist Gestik und Mimik? Redet man im Befehlston, trifft man vermutlich gleich auf Ablehnung. Macht man Vorschläge, ist das Gegenüber gesprächsbereit. Es ist ein Unterschied, ob man zu seiner Frau sagt „Geh mal wieder zum Frisör!“ oder „hast du schon mal daran gedacht, dir die Haare machen zu lassen?“
Auch die Mimik während der Unterhaltung spielt eine wichtige Rolle. Lächelt oder schmunzelt der Gesprächspartner ist klar, dass er die Aussage nicht ernst meint. Diese Möglichkeit fällt bei schriftlicher Kommunikation, wie sie beispielsweise in einem Chat-Room geführt wird, weg. Um dieses Manko auszugleichen, werden Smileys und Emoticons sozusagen als Stellvertreter für die eigene Mimik benutzt.

Schwierig: Die Unterhaltung zwischen Mann und Frau

Eine Unterhaltung zwischen Mann und Frau birgt ganz besonderes Konfliktpotenzial. Neben all den anderen Faktoren kommen hier die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Art und Weise der Kommunikation zum Tragen. Frauen formulieren völlig anders als Männer. Der Satz: „Der Müll muss raus.“ ist für einen Mann eine schlichte Feststellung. Für die Frau ist er eine Aufforderung an ihn, den Müll aus dem Haus zu schaffen. Tut er das nicht, ist sie empört: „Ich habe es ihm doch klar gesagt!“
Frauen benutzen eine Unterhaltung, um Nähe, Verbundenheit und Intimität herzustellen. Männer kommunizieren, um Informationen auszutauschen oder Anweisungen zu geben und Hierarchien aufrecht zu erhalten. Wenn sie ihn fragt: „Magst du die Küche aufräumen?“, denkt er schlicht: „Nö“, und bleibt auf dem Sofa sitzen. Sie formuliert ihren Wunsch als Frage, weil sie Unstimmigkeiten und Streit vermeiden möchte. Er versteht aber nur direkte, klare Anweisungen als Bitte. Für Männer ist eine Frage eine Frage und keine Aufforderung. Sie lesen nicht zwischen den Zeilen. Einzige Ausnahme ist eine Unterhaltung über ein Problem: Spricht man einem Mann gegenüber ein Problem an, versteht er das als Aufforderung, eine Lösung zu präsentieren. Frauen dagegen sprechen über Probleme, um sich auszutauschen, um Hilfe und Unterstützung anzubieten und so gemeinsam zu einer Lösung zu kommen.
Untersuchungen haben gezeigt, dass es für Frauen sehr schwierig ist, sich einen männlichen Sprachstil anzugewöhnen und sich damit zu behaupten. Auf der anderen Seite tun sich Männer sehr schwer mit der weiblichen Art der Kommunikation. Wenn aber jeder sich präzise ausdrückt und selbst genau zuhört, was der andere sagt, sollten die Missverständnisse überschaubar bleiben. Und vielleicht ist ein solches Missverständnis ja auch eine Chance, etwas mehr vom anderen kennen zu lernen.

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion

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