Zusammenziehen: Das Pro und Contra einer gemeinsamen Wohnung

Reifes Paar sitzt gemütlich plaudernt im Wohnzimmer

Wenn sie in einer glücklichen Beziehung leben, seit vielen Monaten oder sogar Jahren zusammenhalten und dabei einige Höhen sowie Tiefen gemeistert haben, stellt sich für die meisten Paare irgendwann die Frage: Wollen wir eigentlich zusammenziehen? Die Vorstellung, das Zuhause zu teilen und einen gemeinsamen Alltag zu haben, klingt in den Ohren vieler Menschen nach einem wahrgewordenen Traum.

Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein: Es gibt Personen, die fühlen sich schnell eingeengt oder haben in ihrer Vergangenheit vielleicht schlechte Erfahrungen mit einer gemeinsamen Wohnung gemacht. Die Antwort auf diese Frage muss also nicht immer zwingend ein „Ja“ sein, sondern sollte stets im Einzelfall sowie gemeinsam gefunden werden. Was spricht demnach für das Zusammenleben und was dagegen?

Lebenserfahrungen prägen auch Beziehungen

Junge Paare ziehen oft zwangsläufig früher oder später zusammen, weil sie in den meisten Fällen vom Heiraten, einem gemeinsamen Eigenheim und Kindern träumen. Wer eine Familie gründen möchte, für den ist dieses tatsächlich in der Regel die einzig sinnvolle Entscheidung, schließlich ist für die Kinder Stabilität wichtig und sie sollten engen Kontakt zu beiden Eltern haben. Diese stellen immerhin ihre wichtigsten Bezugspersonen dar und können sich gegenseitig bei der Erziehungsarbeit sowie weiteren Aufgaben unterstützen.

Wer im höheren Lebensalter noch einmal einen Partner sucht oder eine neue Liebe gefunden hat, möchte hingegen meist keine Kinder mehr. Diese Lebensphase liegt also bereits in der Vergangenheit und somit ist auch das Zusammenziehen nicht mehr die logische Konsequenz einer ernsthaften Beziehung. Manche Menschen träumen auch später noch von der großen Liebe inklusive Hochzeit und Eigenheim. Doch viele andere gehen zwar wieder Beziehungen ein, gestalten diese mittlerweile aber anders als noch in jüngeren Jahren. Sie möchten vielleicht nicht mehr heiraten, wünschen sich mehr Freiraum oder eigene vier Wände, um sich zurückziehen zu können. Sie wollen frei entscheiden können, ob und wann sie ihren Partner beziehungsweise ihre Partnerin treffen möchten. Dadurch versprechen sie sich zum Beispiel mehr Unabhängigkeit oder sie möchten die Romantik in einer langjährigen Beziehung am Leben erhalten.

Reifes Paar sitzt gemütlich auf der Couch und lacht sich an
Das Zusammenziehen im reiferen Alter hat seine Vor -und Nachteile

Welche Erfahrungen Sie selbst und Ihr Partner oder Ihre Partnerin im bisherigen Leben gemacht haben, bestimmt also zu großen Teilen über die Antwort auf die Frage, ob das Zusammenziehen sinnvoll ist oder nicht. Bestenfalls haben beide dieselbe Vorstellung, wie sie ihre Beziehung langfristig gestalten möchten – auch hinsichtlich der Frage des Wohnsitzes. Jedoch kann es natürlich auch vorkommen, dass einer gerne zusammenziehen möchte, aber der andere nicht. Es gilt dann, die jeweiligen Wünsche sowie Argumente auszutauschen und einen Kompromiss zu finden, mit dem das Liebespaar glücklich leben kann.

Pro: Was spricht für die gemeinsame Wohnung?

Der Wunsch, Ihren Alltag mit dem Menschen zu teilen, den Sie lieben, ist vollkommen natürlich und nachvollziehbar. Wenn Sie davon ausgehen, dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist, sollten Sie daher das offene Gespräch suchen. Denn tatsächlich bringt die gemeinsame Wohnung zahlreiche Vorteile mit sich:

  • Ihre Beziehung festigt sich und Sie erleben ein stärkeres Gefühl der Verbundenheit.
  • Sie müssen nicht mehr pendeln, sondern schlafen jeden Abend zusammen ein und wachen am Morgen gemeinsam auf.
  • Dadurch bekommen Sie einen deutlich größeren Teil des Lebens vom jeweils anderen mit und richten Ihren Alltag aneinander aus.
  • Sie kommen sich also zwangsläufig näher, die Beziehung erhält eine neue Tiefe und die beiden Partner lernen sich intensiver kennen. Dadurch wird die Beziehung authentischer.
  • Zudem bringt das Zusammenwohnen finanzielle Vorteile mit sich, denn so müssen nicht zwei Wohnungen finanziert werden und vielleicht reicht sogar fortan ein Auto aus oder es lassen sich weitere Einsparungen tätigen.
  • Und auch die Hausarbeit wird nun gemeinsam erledigt, was bestenfalls für beide Partner nur noch die halbe Arbeit bedeutet und zusammen macht das Putzen & Co auch schlicht mehr Spaß.
  • Wer bis ins hohe Alter zusammen bleiben möchte, sollte zudem berücksichtigen, dass vielleicht irgendwann gesundheitliche Probleme einsetzen. Unter einem Dach zu leben ist dann auch schlichtweg praktisch, um sich überhaupt noch sehen und gegebenenfalls gegenseitig pflegen zu können. Die Gefahr der Einsamkeit im Alter ist dadurch deutlich geringer.

Es gibt also viele verschiedene Argumente für eine gemeinsame Wohnung und welche dem jeweiligen Paar dabei besonders wichtig sind, ist eine Einzelfallentscheidung. Die einen möchten aus romantischen Gründen zusammenziehen, die anderen aus praktischen und die nächsten überhaupt nicht. Ein „Richtig“ oder „Falsch“ gibt es dabei prinzipiell nicht!

Contra: Diese Nachteile bringt das Zusammenziehen

So schön diese Argumente auch klingen mögen, stellen sie doch einen Idealfall dar. In der Realität kann beim Zusammenziehen hingegen einiges schiefgehen. Denn gemeinsam unter einem Dach zu leben birgt großes Konfliktpotenzial. Plötzlich müssen zwei Lebensweisen aufeinander abgestimmt werden. Es gilt, sich über Themen wie den Haushalt, das Geld, die Wohnungseinrichtung oder die Schlafenszeiten einig zu werden. Vielleicht muss einer plötzlich die ganze Arbeit machen und der andere legt faul die Füße hoch. Oder Sie tragen auf einmal alleine die ganzen Kosten. Die Szenarien sind vielfältig und hängen zu großen Teilen von den Partnern sowie der Qualität ihrer Beziehung ab. Diese kann nämlich durch das Zusammenziehen nicht gesteigert werden, wenn sie schon davor eher schlecht war.

Sie sollten daher als Paar einen ehrlichen Blick auf sich selbst werfen. Schließlich haben Sie ein Lebensalter erreicht, in welchem Sie sich selbst sehr gut einschätzen können und gewiss kennen Sie auch Ihren Partner beziehungsweise Ihre Partnerin mittlerweile ganz genau. Gemeinsam können Sie also am besten abschätzen, ob ein Zusammenleben bei Ihnen funktionieren könnte oder das Konfliktpotenzial zu einer Gefahr für die Beziehung werden würde. Sinnvoll kann zudem sein, sozusagen für einige Zeit „auf Probe“ zusammenzuziehen oder die Entscheidung einfach noch etwas aufzuschieben, wenn Sie sich unsicher sind. Es muss also nicht sofort ein endgültiges Entweder-oder sein…

Tipps für den Start in das gemeinsame Leben

Entscheiden Sie sich für das Zusammenziehen, ist es oft sinnvoller, sich gemeinsam eine neue Wohnung zu suchen. Ziehen Sie nämlich bei Ihrem Partner beziehungsweise Ihrer Partnerin ein oder umgekehrt, bringen Sie eine eingeschweißte Routine durcheinander und die Gefahr von Konflikten ist höher. Der „Neuling“ fühlt sich zudem oft wie ein fremder Eindringling und nicht wirklich zuhause. Wichtig ist daher, dass Sie Ihr zukünftiges gemeinsames Heim zusammen einrichten und beide mitsprechen dürfen. Sollten Sie größere Investitionen wie jene in eine Küche tätigen, ist es zudem empfehlenswert, direkt bei der Planung die Barrierefreiheit zu berücksichtigen – schließlich möchten Sie ja bis ins hohe Alter zusammen bleiben und somit auch in Ihrem neuen Zuhause wohnen. Denken Sie bei dieser Entscheidung also nicht nur an die nächsten Wochen und Monate, sondern richten Sie den Blick langfristig aus und kreieren Sie sich somit als Paar die Zukunft, welche Sie sich gemeinsam wünschen.

Älteres Paar umarmt sich glücklich am Küchentisch
Gemeinsam im Alltag glücklich sein – ein Herzenswunsch für fast jeden
Weitere hilfreiche Tipps für das Zusammenziehen lauten:
  • Da Sie vermutlich beide eine voll eingerichtete Wohnung haben, kann es zu Konflikten kommen, wer was mitnehmen darf oder eben nicht. Vereinbaren Sie zum Beispiel, dass Sie Ihr gemeinsames Zuhause vollständig neu einrichten und somit die alten Möbel & Co entsorgen. Aber auch eine 50:50-Aufteilung ist fair.
  • Erstellen Sie direkt zu Beginn eine Art „Haushaltsplan“, um Streit darum zu vermeiden, wer welche Aufgabe hat. Wenn Sie über solche Dinge schon vor dem Zusammenziehen sprechen, bemerken Sie schnell eventuelle Unstimmigkeiten und können Lösungen suchen – oder doch noch die Reißleine ziehen und das Zusammenleben verschieben.
  • Sprechen Sie außerdem über das Thema Freiraum: Wer möchte also wie viel Zeit mit dem Partner beziehungsweise der Partnerin verbringen und wie viel alleine? Wie soll die gemeinsame Zeit genutzt werden? Wie steht es um das gegenseitige Vertrauen? Diese und weitere Fragen können Ihnen helfen, harmonischer zusammenzuleben und zugleich die Qualität Ihrer Beziehung auf ein neues Level zu heben.

Sie sehen: Bei der Frage nach dem Zusammenziehen ist – wie so oft bei Liebespaaren – Kommunikation das A und O. Sprechen Sie gemeinsam über Ihre Wünsche, Bedürfnisse, Ängste & Co…dann finden Sie gewiss eine Lösung, mit der beide Partner glücklich sind!

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